Die Kinder- und Jugendpsychiatrie mit ihren Wurzeln in der Kinderheilkunde, der Psychiatrie, der Psychotherapie und der Heilpädagogik wurde 1968, also vor 44 Jahren, durch einen Beschluss des Deutschen Ärztetages als eigenständiges Fachgebiet konstituiert. Anfangs gab es dieses nur in Kliniken mit dementsprechend kaum vorhandener ambulanter Versorgung. Als 1978 der Berufsverband der Kinder- und Jugendpsychiater gegründet wurde, waren kaum ein Dutzend Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie niedergelassen. Der Bedarf für eine ambulante Versorgung war riesig, die Arbeitsmöglichkeiten waren zunächst rudimentär. Nur schrittweise erhielten die psychisch kranken, behinderten und verhaltensauffälligen Kinder, Jugendlichen und ihre Familien auch ambulant und wohnortnah effektive Untersuchungen und Behandlungen. Um dies zu verbessern war es jedoch notwendig, auch neue Untersuchungsund Behandlungsverfahren für die ambulante Versorgung zu entwickeln und zu implementieren.
Aus diesem Bedarf entwickelte sich die Idee der „Stiftung für ambulante Psychiatrie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter“, die 1997/1998 gegründet wurde.
Zunächst wurden ab 1999 durch Förderpreise innovative Versorgungsprojekte angeregt.
2004 wurde erstmals auch durch ein Symposien die Leitidee der Kooperation mit allen Professionen, die sich um unsere Jugend bemühen, gefördert.
Eine wesentliche Verbesserung der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgungsmöglichkeiten brachte die „Sozialpsychiatrie-Vereinbarung“ ab Mitte 1994, die anfangs jedoch nur für die Versicherten einzelner gesetzlicher Krankenkassen und in einzelnen Bundesländern galt, seit kurzem jedoch in der gesamten BRD für alle gesetzlich Versicherten gültig ist. Inzwischen hat sich das Fachgebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu einer „Erfolgsgeschichte“ entwickelt. In Kürze wird die 1000. KinderpsychiaterIn niedergelassen sein. Nominell ist dann eine ambulante Vollversorgung erreicht. Tatsächlich sind wir durch eine extreme regionale Ungleichverteilung infolge einer fehlenden Bedarfsplanung noch nicht so weit. Unsere Region ist dafür ein beredtes Zeugnis.
Die Kinder- und Jugendpsychiatrie als ein Partner im psychosozialen Unterstützungssystem für Kinder, Jugendliche und ihre Familie wird nicht nachlassen, ihr spezifisches Versorgungsangebot zu verbessern und den derzeitigen Lebensbedingungen anzupassen. Die Stiftung-KJPP ist Teil dieser Entwicklung.
Sozialverhaltensstörungen im Kindesund Jugendalter sind ein auch gesundheitspolitisch hoch relevantes und folgenreiches Problem. Das Thema Aggressive Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen ist in den letzten Jahren durch Gewalt in Kindergärten und Schulen sowie durch Videoaufzeichnung dokumentierte Gewaltvorfälle in der Öffentlichkeit verstärkt in den Fokus der Gesellschaft gerückt. Ob die Zahl aggressiver Verhaltensstörungen in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat, ist nicht belegt. Vermutlich werden sie aber häufiger erkannt und diagnostiziert. Störungen des Sozialverhaltens sind kein neues Problem der heutigen Gesellschaft, wie beispielsweise die Umschreibungen von Symptomen dissozialen Verhaltens durch den Nervenarzt H. Hoffmann in der „Geschichte vom bösen Friederich“ im Kinderbuch „Struwwelpeter“ (1845) verdeutlichen. Jedoch scheint die Intensität zuzunehmen, wenn man sich die Spirale von der Aggression über die Gewalt zur Brutalität anschaut. Beispiele hierfür sind die brutale Prügelattacke des damals 18-jährigen Torben P. im April 2011 am Berliner U-Bahnhof Friedrichstraße oder die tödliche Attacke auf Dominik Brunner im September 2009 durch einen 17- und einen 18-Jährigen.
Phasen oppositionellen Trotzverhaltens oder dissozialer Verhaltensstörungen wie aggressives Verhalten kommen bei etlichen Kindern im Laufe ihrer Entwicklung vorübergehend vor, ohne dass man von einer Verhaltensstörung sprechen kann. Aggressionen, die jedoch in Dauer und Intensität über dieses verbreitete Maß in der Entwicklung eines Kindes und Jugendlichen
hinausgehen und sich negativ in mehreren Lebensbereichen auswirken, stellen eine bedeutsame Problematik dar. Ein solches von der Norm abweichendes aggressives Verhalten kann sich bereits bei jungen Kindern in Kindergarten oder Schule und zeigen und wird ohne therapeutische Hilfe meist nicht oder nur unzureichend überwunden. Unbehandelte Störungen des Sozialverhaltens weisen eine starke Tendenz zur Chronifizierung auf: je früher die Störung beginnt, desto ungünstiger fällt in der Regel die Prognose aus. Beeinträchtigungen der Entwicklungs-, Lern- und sozialen Interaktions- und Integrationsfähigkeit der Kinder sind die Folge. Aggressive Verhaltensstörungen treten häufig in
Verbindung mit hyperkinetischen und depressiven Störungen sowie Angststörungen auf. Nicht selten wird die Verhaltenstörung durch eine zunehmende Isolation aus dem normalen sozialen Umfeld und eine Integration in ein Milieu, in dem ähnliche Verhaltensstörungen verbreitet sind, gefördert. Kinder und Jugendliche, die bereits früh aggressive Verhaltensstörungen in starker Ausprägung gezeigt haben und unbehandelt bleiben, weisen zudem ein erhöhtes Risiko für eine spätere soziale Desintegration, Gewalt, Delinquenz und Substanzmissbrauch auf. Der Verlauf von aggressivem Verhalten zeigt dann eine hohe Stabilität bis ins Erwachsenenalter. Die Therapie solcher Störungen ist schwierig, langwierig und kostenintensiv. Bei einer frühen Intervention, die versucht, die Etablierung dieses Teufelskreises zu durchbrechen, ist die Behandlungsprognose deutlich günstiger einzuschätzen. Die frühzeitige Prävention von aggressivem Verhalten bei Kindern und Jugendlichen ist daher als wichtiges gesellschaftliches Anliegen zu betrachten. Daher habe ich mich gerne bereit erklärt, die Schirmherrschaft für das diesjährige Symposium der Stiftung für ambulante Psychiatrie im Kindes- und Jugendalter (Stiftung- KJPP) zu übernehmen. Als Aachener freut es mich ganz besonders, dass nach der Tagung „Jugend und Gewalt“ im Jahr 1994, ausgerichtet vom Berufsverband und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, nun erneut eine Tagung zu diesem Themenkreis in Aachen stattfindet.
Hinter den aggressiven Verhaltensstörungen verbergen sich meist vielschichtige Ätiologien und Einflussfaktoren (Individuum, Familie, soziale Umwelt, Gesellschaft). Der erste bundesweite Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS), der im Auftrag der Bundesministerien für Gesundheit und Bildung vom Robert-Koch-Institut durchgeführt wurde, weist darauf hin, dass Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem Sozialstatus insbesondere in Bezug auf psychische und Verhaltensauffälligkeiten geringere Gesundheitschancen aufweisen. Die Analysen unterstreichen den hohen Stellenwert, der einer Stärkung der Heranwachsenden und ihrer Familien im Rahmen der Gesundheitsförderung zukommt und geben Ansatzpunkte für die Definition von Zielgruppen für sozial- und gesundheitspolitische Interventionen. Kern des im Januar dieses Jahres in Kraft getretenen Bundeskinderschutzgesetztes ist das neu geschaffene Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz (KKG). Das KKG regelt eine Information der Eltern über Unterstützungsangebote in Fragen der Kindesentwicklung, so dass zukünftig möglichst alle Eltern frühzeitig mit allgemeinen Informationen und Beratungsangeboten zum Thema Erziehung und Entwicklung des Kindes erreicht werden und insbesondere Eltern in spezifischen Risikosituationen Hilfeangebote zugänglich gemacht werden. Durch die Inanspruchnahme der Angebote können Risiken für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen frühzeitiger erkannt werden. Dazu ist es jedoch auch notwendig, dass der Gemeinsame
Bundesausschuss die Richtlinien für die Früherkennungsuntersuchungen ändert und es Ärzten ermöglicht, ein stärkeres Gewicht auf die Erkennung psychischer Auffälligkeiten zu legen und die Eltern entsprechend zu beraten. Auch die von den Krankenkassen angebotenen Präventionskurse sollten mehr Angebote zur Stärkung von Eltern und Kindern zur Verfügung stellen und sich hierbei enger mit Ärzten abstimmen.
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von wirkungsvollen Programmen zur Aggressionsprävention sowie verhaltenstherapeutischen Maßnahmen für alle Altersbereiche, die beispielsweise auf den Abbau aggressiven Verhaltens und die Förderung der emotionalen und sozialen Kompetenzen abstellen. Prävention scheint dann besonders erfolgreich zu sein, wenn frühzeitig Maßnahmen auf mehreren Ebenen ergriffen werden (Schule, Elternhaus, Freundeskreis, Nachbarschaft). Kurzfristige Interventionsprogramme reichen jedoch alleine nicht aus. Die Prävention aggressiven Verhaltens ist eine mittel- bis langfristige Aufgabe, die nicht von einer Profession alleine getragen werden kann. Für die Bewältigung sollte eine sinnvolle und strukturierte Kooperation sowie ein engerer Austausch der unterschiedlichen Berufsgruppen und Beteiligten, wie Ärzte, Psychologen, Erzieher in den Kindergärten, Pädagogen in den Schulen sowie Eltern, Jugendhelfer und Juristen auf den Weg gebracht werden. Das KKG schafft die Rahmenbedingungen für die Vorhaltung eines möglichst frühzeitigen, koordinierten und multiprofessionellen
multiprofessionellen Angebots im Hinblick auf die Kindesentwicklung sowie für verbindliche Netzwerkstrukturen, in denen Träger der öffentlichen und freien Jugendhilfe, Einrichtungen des Gesundheitswesens und weitere Organisationen, deren Tätigkeit sich auf die Lebenssituation junger Menschen und Familien auswirkt, interdisziplinär zusammenarbeiten.
Das Symposium 2012 soll Möglichkeiten aufzeigen, wie eine Früherkennung und frühzeitige Intervention abgestimmt und die Zusammenarbeit durch kooperative Hilfen der verschiedenen Professionen im Sinne einer positiven Entwicklung der betroffenen Kinder und Jugendlichen gelingen kann. In diesem Sinne wünsche ich den Organisatoren sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Symposiums einen harmonischen und erfolgreichen Verlauf der Veranstaltung. Der Stiftung-KJPP wünsche ich auch weiterhin gute Ergebnisse bei der Förderung von Forschungsprojekten, die die ambulante psychiatrische, psychosomatische und psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen durch innovative Versorgungsziele oder die Prüfung neuer Behandlungsformen nachhaltig verbessern können.
Aachen ist hocherfreut, dass die Stiftung für ambulante Psychiatrie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter unsere Kaiserstadt nun bereits zum dritten Mal als Veranstaltungsort für ihr Symposium ausgewählt hat, um in diesem Jahr neueste Erkenntnisse im Bereich aggressiver Verhaltensstörungen im Jugendalter vertiefend zu diskutieren und bevölkerungs- und berufsgruppenübergreifende Wege zu einer positiven Entwicklung zu beschreiben.
Kinder und Jugendliche sind die Zukunft unserer Gesellschaft. Ihnen in einer immer komplexer und für sie schwerer verständlich werdenden Welt Orientierung zu geben, und ihnen zu helfen, sich so zu entwickeln, dass ihr natürlicher Wunsch, Verantwortung zu übernehmen, nicht von Gewalt begleitet sein muss, ist ein Ziel, dessen Verwirklichung nur unsere gesamte Gesellschaft im optimalen Zusammenwirken aller Kräfte erreichen kann.
Ich bin davon überzeugt, dass das diesjährige Symposium von Aachen aus wichtige Denkanstöße zu diesem gesellschaftlich höchst bedeutsamen Thema geben und neue Impulse setzen wird. Dem Symposium wünsche ich einen erfolgreichen Verlauf, und ich hoffe, dass Sie, liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer, abseits der fachlichen Diskussionen auch die Möglichkeit haben werden, bei einem Rundgang durch Aachen die vielen kulturgeschichtlich bedeutsamen Sehenswürdigkeiten unserer Stadt kennen zu lernen.
Marcel Philipp
Oberbürgermeister der Stadt Aachen
Nach 2004 und 2011 lädt die Stiftung zum dritten Mal zu einem Symposion nach Aachen ein. 2004 galt das „Interdisziplinäre, euregionale Symposion“, das auch in der Erholungsgesellschaft von 1837 stattfand, der „Kooperation von Kinder- und Jugendpsychiatrie, Jugendhilfe und Schule“. Das ist nicht verwunderlich, da die Kinder- und Jugendpsychiatrie schon aus ihrer Entstehungsgeschichte auf Kooperation angelegt ist. Ohne die Zusammenarbeit mit den Familien, den Lehrern, den Sozial- und Heilpädagogen, den Sozialarbeitern, den Ergo-und Physiotherapeuten, den anderen Ärzten und Psychotherapeuten aber auch den Vertretern der Rechtspflege könnten wir Kinder- und Jugendpsychiater für die psychisch kranken, behinderten und verhaltensauffälligen Kinder, Jugendlichen und ihre Familien nicht viel tun. Die Notwendigkeit der Zusammenarbeit haben vor allem die Väter und Mütter unseres Fachgebietes stets betont. Neben der Wahrnehmung aller anderer wissenschaftlichen Aufgaben haben von den Ehrenmitgliedern unserer Stiftung Prof. Dr. F. Specht besonders die Entwicklung der Erziehungsberatungsstellen gefördert, Prof. Dr. R. Lempp ein einheitliches Kinder- und Jugendrecht, das die Familien aus dem Dschungel der Zuständigkeiten und Kompetenzen herausführt. Unser langjähriges
Kuratoriumsmitglied Prof. Dr. Dr. H. Remschmidt hat ganz wesentlich die Entstehung der Lebenshilfe unterstützt und Prof. Dr. G. Nissen die Integration von Kinderund Jugendpsychiatrie und Kinderund Jugendpsychotherapie. Dr. Eller hat als einer der ersten Niedergelassenen eine integrative und kooperative Sozialpsychiatrie und Sozialpädiatrie praktiziert, als es diese formal noch gar nicht gab. Und Prof. Dr. Müller- Küppers hat uns in denkwürdigen und ergreifenden Weise daran gemahnt, dass einige der Vorväter unseres Fachgebietes in die Ermordung tausender behinderter Kinder und Jugendlicher verstrickt waren. Als Vorstand der Stiftung begrüßen wir Sie herzlich zu einem weiteren interdisziplinären Symposion in dieser traditionsreichen und gleichzeitig modernen Stadt Aachen. Neben Quellen, die schon den Römern Gesundheit schenkten, und neben Dom und Rathaus aus der Zeit Karls des Großen finden Sie überall Einrichtungen der Rheinisch-Westfälischen Hochschule, die ihre Exzellenz vor allem dem Zusammenklang von Medizin und Technik verdankt. So begrüßen wir Sie herzlich zu diesem erneuten interdisziplinärem Treffen und wünschen uns, dass wir gemeinsam für unsere Jugendlichen kooperative Wege finden, auf denen diese in ein selbstbestimmtes, erfülltes und glückliches Erwachsenenleben gelangen können.
Christian K. D. Moik
Dr. Ingo Spitczok von Brisinski
Programm
09.00 – 09.20 h
Begrüßung
Rudolf Henke, MdB, Präsident der ÄK Nordrhein
Tagungsvorsitz:
Dr. Ingo Spitczok von Brisinski
09.20 – 10.10 h
Aggressives Verhalten bei Kindern und Jugendlichen – neurobiologische und bindungstheoretische Aspekte
Prof. Dr. med. Alexander Trost
10.10 – bis 11.00 h
Psychodynamische Psychotherapie von Jugendlichen mit Persönlichkeitsstörungen
Dr. med. Renate Sannwald
11.00 – 11.30 h
Kleines Jazz-Café mit dem Lennart-Schnitzler-Trio
Tagungsvorsitz:
Christian K. D. Moik
11.30 – 12.20
Kooperation von Schule und Jugendpsychiatrie bei selbst- und fremd-aggressiven Jugendlichen
Dr. med. Ingo Spitczok von Brisinski
12.20 – 13.10
Die Schnittstelle Kinder- und Jugendpsychiatrie und Rechtssystem in der medizinischen Begutachtung delinquenter Jugendlicher
Dr. med. Paul Plener
13.10 – 13.30
Abschlussdiskussion
Referenten
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie
Facharzt für Psychosomatische
Medizin und Psychotherpie
Systemischer Lehrtherapeut
und Supervisor (DGSF)
TCI-Lehrbeauftragter (RCI)
Dekan der Abteilung Aachen der
Katholischen Hochschule
Nordrhein-Westfalen
(Sozial- und Gesundheitswesen)
Eigene Praxis in Mönchengladbach
E-Mail: a.trost@katho-nrw.de
Aggressives Verhalten bei
Kindern und Jugendlichen –
neurobiologische und
bindungstheoretische Aspekte
Aggressive Verhaltensstörungen haben immer eine Geschichte: Neben „mitgebrachten“ Geschlechts- und Temperamentsfaktoren sind Beziehungserfahrungen mit einer primären Bindungsperson oft ausschlaggebend dafür, ob die entwicklungpsycho- und physiologisch normale Aggressivität sich zähmen und in ein adäquates Selbst- und Fremdkonzept integrieren lässt. Hohe Stressbelastung im frühesten Alter, ängstigende oder vernachlässigende Bezugspersonen führen häufig zu einer desorganisierten Bindung oder sogar zu einer Bindungsstörung. Beides prädisponiert zu Persönlichkeitsstörungen mit mangelhafter Impulskontrolle und nichtintegrierten Affekten.
Unter dieser Perspektive: Wie muss dann ein förderliches Milieu für gefährdete Kinder und Jugendliche beschaffen sein? Welche Hilfsangebote sind sinnvoll und hilfreich?
Psychodynamische Psychotherapie
von Jugendlichen mit
Persönlichkeitsstörungen
Ob Persönlichkeitsstörungen bereits im Kindes- und Jugendalters diagnostiziert werden können, ist eine seit Jahrzehnten umstrittene Frage
Die Protagonisten dieser Diskussion waren Ted Shapiro und Paulina Kernberg. In diesem Vortrag wird zunächst die diagnostische Einschätzung des strukturellen Störungsniveaus von Kindern und Jugendlichen erarbeitet.
Dabei werde ich die Hypothesen Paulina Kernbergs mit eigenen Überlegungen und Behandlungsbeispielen verbinden. Dann werden die Grundlinien der psychodynamischen Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen mit Persönlichkeitsstörungen dargestellt.
Fachärztin für Kinderheilkunde, Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie sowie Psychotherapeutische Medizin; Psychoanalytikerin (DGPT).
Lehranalytikerin (DGPT) des Berliner Instituts für Psychotherapie und Psychoanalyse (BIPP)
Dozentin und Supersorin des Kollegiums Psychosomatische Medizin Berlin- Brandenburg e.V. (KPMB)
Dozentin und Supervisorin der Berliner Akademie für Psychotherapie (BAP)
Dozentin und Supervisorin des Weiterbildungskreises für Tiefenpsychologische Psychotherapie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Berlin e.V.
Dozentin und Supervisorin der AGKB.
Nach langjähriger Kliniktätigkeit ist Frau Sannwald seit 1999 niedergelassen in eigener Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie, Psychosomatik und Psychoanalyse in Berlin.
Zahlreiche Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.
Email: resannwald@t-online.de
Chefarzt, Fachbereichsarzt Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der LVR-Klinik Viersen
2. Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Leitenden Klinikärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V. (BAG)
Vorstandsmitglied des Berufsverbands für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e. V. (BKJPP)
Leitender Redakteur der Quartalszeitschrift „forum für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie“
Stellvertretender Vorsitzender der Stiftung für ambulante Psychiatrie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter.h
E-Mail:ingo.spitczokvonbrisinski@lvr.de
Kooperation von Schule und
Jugendpsychiatrie bei selbst- und
fremdaggressiven Jugendlichen
Kooperation von Schule und Jugendpsychiatrie kann Anlass bezogen, punktuell geplant oder regelmäßig stattfinden.
Welche Kooperationsformen realisiert werden, hängt u. a. von Intensität und Häufigkeit der Problematik an der Schule ab, der Größe des Einzugsgebietes der jugendpsychiatrischen Praxis bzw. Klinik (bzw. der Anzahl jugendpsychiatrisch Tätiger im Einzugsgebiet der Schule), Finanzierbarkeit und nicht zuletzt den persönlichen Interessen und Ressourcen der handelnden Personen.
Doch nicht mit jeder Kooperationsform lassen sich alle Ziele in gleichem Maße erreichen: Anlass bezogene Kooperation ermöglicht bei akuter Problematik eines Schülers bzw. Patienten die Erarbeitung abgestimmter Handlungsschritte für diese Person und sein unmittelbares Umfeld. Punktuell geplante Kooperation hat oftmals den Charakter von Fortbildung und Planung zukünftiger Handlungs- und Versorgungsstrukturen.
Sie ermöglicht u. a. Verbesserungen bei Früherkennung und Prävention psychischer Störungen, aber auch verstärkte Berücksichtigung jugendpsychiatrischer und schulischer Aspekte z. B. bei Mobbing/ Bullying.
Regelmäßig stattfindende Kooperationskontakte können nachhaltig dazu beitragen, Schwellenängste und gegenseitige Vorurteile abzubauen sowie Vertrauen und Vertrautheit von Lehrkräften und Jugendpsychiatern zu stärken, was wiederum den Schülern/Patienten zugutekommt aufgrund der Optimierung der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Systeme.
Die Schnittstelle Kinder- und
Jugendpsychiatrie und Rechtssystem
in der medizinischen Begutachtung
delinquenter Jugendlicher
Die Kinder- und Jugendpsychiatrie sieht sich in ihrer täglichen Praxis mit delinquenten und aggressiven Verhaltensweisen konfrontiert und neben einem therapeutischen Auftrag wird von Seiten Dritter häufig auch die Frage nach einer prognostischen Einschätzung dieser Jugendlichen formuliert. So wird etwa auch vielfach von Seiten der Jugendämter oder der Schulen eine „Unbedenklichkeitsbestätigung“ gefordert, ehe diese Kinder und Jugendliche etwa in den schulischen Kontext re-integriert werden können.
Zudem setzt sich der Kinder- und Jugendpsychiater auch im Rahmen der gutachterlichen Tätigkeit mit delinquenten Kindern und Jugendlichen auseinander und ist hier in einer anderen Rolle in der Einschätzung delinquenten Verhaltens gefragt.
Konfliktpotential birgt hier nicht nur der verschiedene Zugang zu Delinquenz in verschiedenen Systemen, sondern auch die unterschiedliche „Sprache“, die in diesen Systemen gesprochen wird.
Dieser Beitrag setzt sich mit der Schnittstelle zwischen Rechtssystem und Kinder- und Jugendpsychiatrie vor dem Erfahrungshintergrund unserer forensischen Kinder- und Jugendpsychiatrischen Ambulanz auseinander und stellt dieses Konzept vor.
Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie, Akupunktur
Geschäftsführender Oberarzt für Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm, wo er die Kinderstation und die Tagesklinik leitet. Sein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich nicht-suizidalen selbstverletzendem Verhaltens und der Suizidalität. Er ist als Gutachter in familien- und strafrechtlichen Prozessen tätig.
Er ist Vorstandsmitglied der „International society for the Study of Self-injury“ und Sprecher der „Young Investigators in Child and Adolescent Psychiatry“.
2011 erhielt er den Förderpreis der Stiftung KJPP für sein Projekt “Rocken statt Ritzen – Ein ambulantes Therapieprogramm für Jugendliche mit selbstverletzendem Verhalten“.
E-Mail: Paul.Plener@uniklink-ulm.de
Vorsitzender
Christian K. D. Moik
Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychoanalyse, Kinder- und Jugendmedizin.
Tutor (lehrender Vertragsarzt) der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Seit 1985 in Aachen niedergelassen mit den derzeitigen Arbeitsschwerpunkten Sozialpsychiatrie, Neuropsychiatrie, Psychotherapie und Gutachten.
Mitglied der Ethikkommission der drei kinder- und jugendpsychiatrischen Gesellschaften und Ehrenvorsitzender des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e.V.
Stifter und Vorsitzender der Stiftung für ambulante Psychiatrie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter.
E-Mail: ckdmoik@dgn.de
Über die Stiftung
Vorstand:
Stellvertretender Vorsitzender:
Dr. med. Ingo Spitczok von Brisinski
Kuratorium:
Vorsitzender:
Prof. Dr. med. Alexander Trost
Stellvertretende Vorsitzende:
Dr. med. Renate Sannwald
Weitere Mitglieder:
Prof. Dr. med. Johannes Hebebrand
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, LVR-Klinikum Essen
E-Mail: johannes.hebebrand@uni-due.de
Dipl.-Ing. (FH) Gunter Moik
Dr. Paul Plener
Geschäftsstelle:
Stiftung-KJPP
Lütticher Str. 512 b, 52074 Aachen
Telefon:0241 73960, Fax: 79419,
E-Mail: info@stiftung-kjpp.de
Spendenkonten:
Dt. Apotheker- und Ärztebank
Konto-Nr.: 4790790 BLZ: 300 606 01
Sparkasse Aachen
Konto-Nr.: 28373 BLZ: 390 500 00
Durch den Freistellungsbescheid für 2010 vom 15.06.2011 des Finanzamtes Aachen-Stadt, ist die „Stiftung für ambulante Psychiatrie und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter“ als gemeinnützig anerkannt wegen „Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und der öffentlichen Gesundheitspflege“.
Sie ist berechtigt, für Spenden, die ihr zur Verwendung für diese Zwecke zugewendet werden, Zuwendungsbestätigungen auszustellen.
Tagungskonten
Tagungssekretär:
Dipl.-Ing. (FH) Gunter Moik
Information und Anmeldung:
www.stiftung-kjpp.de
Christian K. D. Moik
Wirichsbongardstr. 5-9,
D-52062 Aachen
E-Mail: info@stiftung-kjpp.de
Fax: 0241-47031317
Tagungsort:
Erholungsgesellschaft Aachen von 1837
Reihstr. 13 , 52062 Aachen
Eine verbindliche Anmeldung bis spätestens zum 04.Juni 2012 ist erforderlich!
Ein Kostenbeitrag von 25 € pro Teilnehmer/ Teilnehmerin zu Gunsten der Stiftung wird erbeten.
Studenten sind kostenfrei zur Teilnahme eingeladen, werden aber ebenfalls um schriftliche Anmeldung gebeten.
Tagungskonten:Stiftung KJPP,
Stichwort: Symposion 2012
Dt. Apotheker- und Ärztebank,
Konto-Nr.: 4790790
BLZ: 30060601
Sparkasse Aachen,
Konto-Nr. 28373
BLZ: 39050000
Stichwort: Symposion 2012
Die Zertifizierung wurde von der Ärztekammer Nordrhein mit 5 Punkten bestätigt.
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Lennart Schnitzler Trio
Die jungen Musiker des jungen Kölner Trios um den Trompeter Lennart Schnitzler spielen seit ihrem gemeinsamen Studium an der Musik-hochschule Köln Stücke aus der eigenen Feder und interpretieren Jazz-Standard auf ungewöhnliche Weise.